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Kotter (Leseprobe)
in Sacha
Storz: Mein Lieblingston ist ein hohes Pfeifen
Uzzi Verlag, Düsseldorf , 2003
Kotter
Heute ist Maskenball im Keller der Verdorbenen. Dort sieht man
allerlei Getier und Ungetier, und zuallervorderst sieht man den
Kotter, wie er säuft und frisst und hurt und jedem die Knochen
bricht, der ihn schief anschaut. Der Kotter ist kein Freund guter
Manieren, er ist auch kein Freund schöner Gedanken, er ist
niemandes Freund genau genommen, er kommt einher wie ein fetter
Sack voll Unrat, ein Ungetüm, das zerbricht, was nicht ausweicht.
Er ist das Monster, das man fürchtet, wenn die Nachttischlampen
ausgehen, der böse Mann auf der dunklen Straße, vor
dem man die Seite wechselt, der derbe Gestank, der einem in die
Nase gerät, wenn man betrunken sein Gesicht in das Geschlecht
von Fremden stößt, kurz, der Kotter ist kein Typ, mit
dem man befreundet sein möchte.
Dennoch bemühe ich mich um ihn.
Und wie kann man mit so einem befreundet sein, fragt sich. Trägt
er nicht Dreck um die Beine statt Hosenkleidern, verkrusteten
Sabber um die Mundwinkel, die immer grinsen, wie die eines Satyrs,
trägt er nicht Schmutz an seinen Händen und manchmal
Blut, uriniert denen ins Gesicht, die ihn verabscheuen, weil ihn
nichts schert? Ja, das ist wahr, alles wahr. Aber ich mag ihn
dennoch.
Zum Maskenball im Keller der Verdorbenen erscheint er in einem
Gesicht, das dem meinen gleicht, er hat es plump und höhnisch
aus Kartoffeln, Müll und Gänseschmalz geformt, es verbirgt
nicht das seine, sondern rundet es entstellend ab, natürlich,
wie es sich gehört für den Kotter. Wenn ich nicht wüsste,
wie ignorant er ist, dächte ich, er will mich treffen mit
der Wahl seiner Verkleidung. Er rülpst und furzt und spuckt
in den Raum wie er eintritt und jeder weiß - ha! - der Kotter
ist da. Es ist schwer, von ihm keine Notiz zu nehmen.
Ich selbst bin eine kleine helle Silhouette in der Ecke der Räumlichkeit,
fühle mich merkwürdig deplaciert und halte mich ruhig.
Er aber schreit und lacht, wie er herein torkelt, spuckt an die
Wand, an der Bilder von schönen Frauen hängen und schlägt
mir auf die Schulter zur Begrüßung, als er mich entdeckt.
"Was willst du, kleiner Mann?" schreit er.
Ich antworte nicht. Es ist nicht leicht, mit ihm zu reden, er
reißt einem die Zähne aus, wenn man das Falsche sagt
und wirft sie einem ins Gesicht und lacht, er schneidet einem
ein Auge aus und tritt es in den Dreck, wenn man ihm nicht Recht
gibt, ...
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Kotter (Leseprobe)
in Sacha
Storz: Mein Lieblingston ist ein hohes Pfeifen
Uzzi Verlag, Düsseldorf , 2003
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