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21.08.2017
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Behaviour Shaping, Visual Management, Metriken und Kaizen

Es ist trivial, aber immer wieder wichtig: Wenn wir eine einfache, aber plakative Visualisierung vor Augen haben, beeinflusst das unser Verhalten. Es ist schwieriger für einen Entwickler, eine große rote Build-Ampel zu ignorieren als eine Statusmeldung im Jenkins. Wenn wir ein konkretes Kaizen-Ziel gewählt haben, sollten wir also mit einer wiederholbaren, möglichst objektiven Messung und einer einfachen, plakativen Visualisierung arbeiten.

Verhaltensformung durch plakativ visualisierte Metriken

Aus der Verhaltenspsychologie kenne ich das Konzept des Behavior Shapings. Schrittweise wird ein komplexes Verhalten aus vielen kleinen Teilverhalten “zusammengebaut”. Mir ist aufgefallen, dass ich unbewusst mit den Konzepten “Visual Management” und “Kaizen” aus dem Lean versuche, dies bei mir persönlich und gemeinsam mit meinem Team herzustellen. Man kann darüber streiten, ob ein visuelles Erfolgsfeedback eine positive operante Verstärkung ist, ich behaupte ja. Anyway...

Wir haben im Team einige Metriken gewählt, mit denen wir unser Kaizen messen wollen. Wie gut sind wir bzgl. der relevanten Outcomes? Und werden wir besser? Ich denke, dabei ist wichtig, eine plakative Visualisierung zu haben.

Visualisierung Sprint Completion

Wir haben z.B. größere Probleme mit der Sprint Completion. Peinlich, öffentlich zuzugeben, aber ist halt so. Mut, Offenheit usw... Gut, natürlich war das nicht tragbar, und basierend auf der Prämisse “Plakative Visualisierung” haben wir ein Poster aufgehängt, das jeden Sprint rot oder grün darstellt über alle Kalenderwochen des Jahres. Ich hoffe, dass das -- und unsere Retros natürlich -- nützt. (Das Poster ist 2 Wochen alt, wir haben 2015 rückwirkend aufgemalt...)

Sprint Completion Visualisierung

Der Burndown ist eine solche plakative Visualisierung innerhalb des Sprints.

Visualisierung Team-Stimmung

Ein zweites Beispiel ist unser NikoNiko: Der Smiley-Kalender stellt an sich ja schon eine Visualisierung dar und vermittelt die Stimmung im Team. Wir bilden zudem aus jeder Woche einen Index, den wir als “Kurve” darstellen. Sobald der Wert eine Warnschwelle unterschreitet, thematisieren wir.

Wir haben diskutiert, ob ein Durchschnittswert in Form dieses Index überhaupt ein sinnvoller Wert ist. Wie alle Maße der zentralen Tendenz sagt er nichts über die Streuung, dennoch finde ich ihn sinnvoll. Natürlich thematisieren wir auch unabhängig von NikoNiko-Werten, etwa in Retros, wenn klar wird, dass die Stimmung negativ ist. Der Check In aus den Core Protocols, den wir in Retros verwenden, hilft dabei.

NikoNiko

Mehr Bücher lesen mit Burnups

Ein persönliches Beispiel: Ich würde gern (viel) mehr lesen. Zeitmangel, falsche Prios, Trägheit, Prokrastinieren, was auch immer, es gelingt mir nicht zufriedenstellend. Seit einiger Zeit arbeite ich mit einem Burnup. (Ich fand ein Burndown bei Büchern irgendwie unpassend ;)

Dabei ist mein Commitment, das ich pro Tag 4 Seiten lese, das sollte unter allen Umständen gelingen. Das Burnup, die Visualisierung, der tägliche zeremonielle Akt des Burnup Eintragens helfen mir deutlich, die Tagesdisziplin zum Lesen aufzubringen. Und jeden Tag 4 Seiten (oder mehr) ist besser als: Ich fange morgen an, ich schwör.

Buch Burnup

Verhaltensänderung: Visualisierung ist Trumpf

In Summe ist klar: Zwischen dem noch so klaren Wissen “Ich sollte/müsste eigentlich” und einer plakativen Visualisierung mit einer s.m.a.r.t.en Metrik liegen Welten, was die Erfolgswahrscheinlichkeit betrifft. 

Kaizen Kickstart Vorgehen

  • Identifiziere, was Wert für Dich oder Deine Stakeholder hat (mehr Lesen, Software ausliefern, gute Stimmung)
  • Finde eine Metrik (einen Messwert, Bauchgefühl” reicht nicht)
  • Finde eine plakative Visualisierung der fortlaufenden (!) Messung
  • Beobachte und reflektiere, was passiert…

 

Datum: Donnerstag, 23. April 2015

Kategorien: Agile

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